Wir befinden uns in einer stark polarisierten Debatte zur Reform des Sozialstaates. Der Sozialstaat explodiert, so die einen. Er sei kaputtgespart worden, so die anderen. Auch in der Sozialpolitik muss eine offene Debatte über Prioritäten geführt werden dürfen. Aber eine auf Rückbau und Verzicht orientierte Sozialdebatte wird Reformen nicht befördern. Wir müssen vielmehr ausloten, was sozialer Fortschritt in Zeiten bedeuten kann, in denen der expansive Pfad der Sozialpolitik zu einer Sackgasse geworden ist: Nötig ist ein Sozialstaat, der verdeckte Armut bekämpft, somit arme Menschen wirklich erreicht und der zugleich vom unteren Rand der Mitte als fair empfunden wird. Dieser Sozialstaat kann bürgerfreundlicher werden und seine großen Potentiale besser nutzen, Menschen zu stärken.
Prof. Georg Cremer, Jahrgang 1952, war von 2000 bis 2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Nach Studium und Promotion war er in der Entwicklungszusammenarbeit in Indonesien tätig, arbeitete bei Caritas international in der Katastrophenhilfe in Asien und war für soziale Projekte in Osteuropa zuständig. Er lehrte als Volkswirt an der Universität Freiburg, war Lehrbeauftragter zu Fragen der Korruptionskontrolle und war Mitglied in der von der Bundesregierung berufenen Alterssicherungskommission.
Zu dem Vortrag serviert die Gastronomie ein Tellergericht.
