ZWEI-LÖWEN-GRUBE mit Prof. Magnus Brechtken: „Deutsch-deutsche Geschichte: Historische Mythen, Realitäten und die Herausforderungen der Gegenwart“

Mit einem Interview in der FAZ vom 22. August 2026 sorgte der Historiker Prof. Dr. Magnus Brechtken für Aufmerksamkeit. Darin vertritt der stellvertretende Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München die These, dass der Graben in Deutschland zwischen Ost und West viel tiefer sei, als es die Menschen im Westen wahrhaben wollten. Zudem hätten die Westdeutschen mittlerweile die Nase voll angesichts der ständigen Klagen aus dem Osten. Wenn sich die 12 Millionen Ostdeutschen in Larmoyanz ergingen, dann sollten die 67 Millionen Westdeutschen es dabei belassen und sich um ihre eigenen Belange kümmer.

Die Wiedervereinigung hat historische Fakten in den Hintergrund gedrängt: den Kalten Krieg von 1947 bis 1990, das Scheitern der DDR – wirtschaftlich, politisch, ideologisch – bei gleichzeitiger Entwicklung der Bundesrepublik zu einem stabilen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischem System. Die Transferleistungen des Westens für den „Aufbau Ost“ würden nicht dankbar anerkannt, sondern als „Übernahme“ diffamiert – so der Referent. Der Staat, so die Erwartung im Osten, müsse für die Bürger alle Probleme lösen. Dass die DDR ein Unrechtsstaat war, wird in Abrede gestellt. Völkischer Rassismus, Verschwörungstheorien und die Ansicht, Putin sei ein harmloser Mensch, sind im Osten hoffähig. Fast 50 % der Stimmen in Sachsen-Anhalt entfielen so bei den Wahlen am 6. September auf AfD und BSW. Ein solcher Wahlausgang erscheine in den westlichen Bundesländern undenkbar.

Wir sind gespannt auf den Vortrag von Herrn Prof. Brechtken und eine lebhafte Diskussion im Nachgang zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.