Essen mit Vortrag: Dr. Irmgard Schwaetzer spricht über die Reformation als Aufbruch in die Moderne

Sehr zufrieden äußerte sich Dr. Irmgard Schwaetzer über den bisherigen Verlauf des 500. Reformationsjubiläums. „Quer durch Deutschland haben die Kirchen und ihre Gemeinden die unterschiedlichsten Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die nahezu überall große Resonanz und Beteiligung gefunden haben“, freute sich die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Zwei-Löwen-Klub. Dabei sei für sie das Wichtigste, dass daran auch viele Menschen teilgenommen haben, die „noch nie nach Gott gefragt“ hätten. Für die ehemalige Bundesministerin, die seit 2013 das höchste Laienamt in der evangelischen Kirche innehat, sind nicht allein volle Kirchen das entscheidende Kriterium. Sie sei aufgeschlossen für viele Wege und Frömmigkeitsstile, die die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln. Wenn die Kirchen aus ihren Mauern herauskämen, würden sie die Menschen meist besser erreichen. „Daher muss sich auch nach dem Reformationsjahr Gottes Wort nicht nur an die Gemeinden, sondern an alle Menschen richten“, betonte Irmgard Schwaetzer. Seit der Reformation werde das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen völlig neu gedacht. Es gebe vor Gott keine Rangfolge unter den Menschen mehr. „Vor Gott ist jeder Mensch gleich“, sagte die Presse. Trotz bestehender Unterschiede bewegen sich nach Feststellung der Protestantin die katholische und die evangelische Kirche langsam weiter aufeinander zu. „Das Jubiläum wird erstmals seit 500 Jahren nicht mehr in gegenseitiger Abgrenzung, sondern ökumenisch als Fest aller Christen begangen“, hob sie hervor. Noch vor wenigen Jahren hätte sie das so nicht für möglich gehalten. Da sei die Skepsis gegenüber der Ökumene auf beiden Seiten noch sehr groß gewesen. Doch die erste gemeinsame Pilgerreise von führenden Repräsentanten der evangelischen und katholischen Kirche durch das Heilige Land im vergangenen Herbst habe ein Zeichen der Verständigung gesetzt. „In diesen Tagen ist uns bewusst geworden, wieviel uns verbindet“, sagte Irmgard Schwaetzer, die bedauerte, dass die Reise in den Medien so wenig Resonanz gefunden habe. Auch die Tatsache, dass vom kommenden Schuljahr an evangelische und katholische Kinder im Fach Religion gemeinsam unterrichtet werden können, wertet die Präses der EKD-Synode als „wichtigen Schritt in die Ökumene“. Ihrem Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion mit Mitgliedern und Gästen des Klubs an, die an diesem Abend  zugleich die Premiere des neuen Veranstaltungsformats „Mit Münster verbunden“ erlebten. In seinem Rahmen werden künftig weitere bekannte Persönlichkeiten präsentiert, die, wie Irmgard Schwaetzer, in Münster geboren wurden, hier studiert oder einen anderen Bezug zu unserer Stadt haben.

Uwe J. Tönningsen